Raumgliederung

 

Ein Überblick zu Raumakustik und Schallschutz in Bürogebäuden

Ein Überblick zu Raumakustik und Schallschutz in Bürogebäuden

Bei der Planung von Bürogebäuden ist eine Vielzahl bauphysikalischer Aspekte zu berücksichtigen. Neben dem sommerlichem und winterlichem Wärmeschutz, der Lüftungstechnik und der Tageslichtplanung sind Raumakustik und Schallschutz zwei wesentliche Planungsschwerpunkte.

Die „Raumakustik“ beschäftigt sich mit der Hörsamkeit und Lärmminderung innerhalb von geschlossenen Räumen. Bei der raumakustischen Planung in Bürogebäuden werden Maßnahmen zur Schallabsorption, Schalllenkung und zur Verhinderung der Schallausbreitung im Raum betrachtet.

Maßgebende Regelwerke für die Planung sind DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen – Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung“ und die (in Kürze erscheinende) überarbeitete Fassung der VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro“.

Während die raumakustischen Anforderungen von Konferenzräumen, Besprechungsräumen, Aufenthaltsräumen und Verkehrsflächen in DIN 18041 geregelt sind, zeigt die künftige VDI 2569 Planungsgrößen für Einzel- und Mehrpersonenbüros auf. Für die Planung von Mehrpersonenbüros sind außerdem die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten - Raumabmessungen und Bewegungsflächen“ (ASR 1.2) bei der raumakustischen Planung zu berücksichtigen

Die „Raumakustik“ steht in engem Zusammenhang mit der „Bauakustik“, bei der ein geeigneter „Schallschutz“ zwischen verschiedenen Räumen bzw. gegen von außen eindringende Geräusche durch entsprechende bauliche Maßnahmen erreicht werden muss.

In Bürogebäuden werden im Rahmen der Planung geeignete Konstruktionen zur Schaffung von Vertraulichkeit sowie Schutz vor störenden Geräuschen ausgearbeitet. Bauordnungsrechtlich sind der „Schallschutz gegen Außenlärm“ und der „Schallschutz zwischen Arbeitsräumen verschiedenen Nutzer“ durch DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ geregelt. Der „Schallschutz zwischen Räumen innerhalb einer Nutzungseinheit“ unterliegt jedoch nicht dem Bauordnungsrecht. Für die Planung können hier Beiblatt 2 zu DIN 4109 und künftig die überarbeitete VDI 2569 herangezogen werden.

Welche normativen Grundlagen im Einzelfall sinnvoll anzuwenden sind, klärt am besten der Auftraggeber gemeinsam mit seinen Fachplanern.

Dipl.-Ing. Tobias Kirchner
von der IHK Berlin öffentlich bestellter und
vereidigter Sachverständiger für Raumakustik
Akustikbüro Rahe-Kraft GmbH, www.rahe-kraft.de

 

 

AKUSTIKWISSEN DIN 18041- Hörsamkeit in Räumen

Bedeutung und Gültigkeit der DIN 18041:2016-03

DIN 18041 – „Hörsamkeit in Räumen — Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung“ stellt die Grundlage der raumakustischen Planung für die meisten der im Alltag anzutreffenden Räume dar. In dieser Norm werden Anforderungen und Empfehlungen für die raumakustische Planung sowie Planungshinweise für z.B. den Einsatz von Beschallungsanlagen und von Hilfsmitteln zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit bei Schwerhörigkeit vorgestellt.

Zu Beginn einer Planung werden entsprechend DIN 18041 zunächst Zielwerte für die unterschiedlichsten Räume in einem Projekt definiert. Dabei erfolgt eine Unterteilung in zwei Raumkategorien.

Räume, in denen die Kommunikation zwischen Personen über mittlere und größere Entfernung im Mittelpunkt steht, werden Gruppe A zugordnet. Für diese Räume werden in Abhängigkeit der Nutzungsart (z.B. Besprechungsraum, Vortragsraum oder Konferenzraum) und des Raumvolumens Anforderungen an die Nachhallzeit formuliert. Auch die Anforderungen an eine „akustische Barrierefreiheit“ (inklusive Nutzung) der Räume finden dabei Beachtung, wodurch die Bedarfe von Personen mit Hörbeeinträchtigungen, „Sprachlernern“ und „Nichtmuttersprachlern“ berücksichtigt werden.

Zur zweiten Raumkategorie, Räume der Gruppe B, gehören Aufenthaltsräume wie Foyers, Pausenräume, Rezeptionen, Speiseräume, Büros oder andere Arbeitsräume. In diesen Räumen steht die Kommunikation über geringe Entfernungen im Vordergrund. In Abhängigkeit von der Verweildauer im Raum oder des Bedarfs an Lärmminderung bzw. Raumkomfort werden in DIN 18041 Empfehlungen für raumakustische Maßnahmen ausgesprochen. Die Empfehlungen richten sich jedoch nicht wie bei Räumen der Raumgruppe A an die Nachhallzeit, sondern an das Verhältnis A/V von „äquivalenter Schallabsorptionsfläche A“ und Raumvolumen V. Die „äquivalente Schallabsorptionsfläche“ wird dabei aus den Materialeigenschaften (Schallabsorptionsgrad) und den geometrischen Flächen des Raums ermittelt.

Nach DIN 18041 können Foyers von Bürogebäuden entweder als Räume ohne Verweildauer (Nutzungsart B1) oder als Räume zum kurzfristigen Verweilen (Nutzungsart B2) eingeteilt werden. Pausenräume, Kantinen und Speiseräume sind in der Regel „Räume zum längerfristigen Verweilen“ (Nutzungsart B3).

Büroräume sind je nach Bürotyp und auftretender Kommunikation den Nutzungsarten B3 (Einzelbüro), B4 (Büroräume) und B5 (Call Center) zugeordnet. Die Empfehlungen für Büroräume können zunächst für die Vorplanung herangezogen werden. In den weiteren Planungsphasen sollten Büroräume gemäß VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro“ geplant werden, da in dieser Richtlinie auch auf die Schallausbreitung sowie Schallschirmung zwischen den Arbeitsplätzen eingegangen wird.

Weitere und vertiefende Hinweise werden im Kommentarbuch zur DIN 18041 (erschienen im Beuth Verlag) vorgestellt.

Tobias Kirchner, Akustikbüro K5 GmbH
von der IHK Berlin öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Raumakustik